Vorne kurz, hinten lang – wer das bis vor wenigen Jahren gesagt hat, meinte damit meist einen modischen Fauxpas aus den 1980ern. 2026 klingt das anders. Der Mullet hat sich in Friseursalons von Hamburg bis München als ernstzunehmende Anfrage etabliert, und das nicht mehr nur unter Skatern oder Indie-Musikern. Die Frage ist: Handelt es sich um eine kurzlebige Welle oder um einen Stilwandel, der sich festsetzt?
Zahlen aus dem Salon-Alltag
Wer mit Friseuren spricht, hört überraschend konkrete Aussagen. Benedikt Haas, Inhaber eines Barbershops in Mannheim, berichtet, dass der Anteil der Mullet-Anfragen bei ihm zwischen Frühjahr 2024 und Frühjahr 2025 von unter fünf Prozent auf knapp 18 Prozent aller Herrenschnitte gestiegen ist. Ähnliches meldet die Münchner Stylistin Carola Svensson: Drei bis vier Kundinnen pro Woche fragen explizit nach einem femininen Mullet, oft mit Referenzfotos von internationalen Popstars oder aus koreanischen Beauty-Accounts.
Das Marktforschungsunternehmen Statista erfasste für Deutschland im Jahr 2024 rund 81.000 aktive Friseurbetriebe. Selbst wenn nur ein Bruchteil davon eine ähnliche Entwicklung beobachtet, sprechen wir von erheblichen Stückzahlen. Google Trends bestätigt das Bild: Suchanfragen rund um den Begriff „Mullet Frisur“ lagen im ersten Quartal 2025 um 43 Prozent über dem Vorjahreszeitraum.
Was den modernen Mullet vom Original unterscheidet
Der klassische Mullet der 1980er Jahre war vor allem durch einen harten Kontrast geprägt: oben und an den Seiten nahezu kahl rasiert, hinten oft schulterlang und trocken geföhnt. Das aktuelle Pendant arbeitet subtiler. Friseure sprechen von einem „Soft Mullet“ oder „Textured Mullet“, bei dem der Längenunterschied fließender gestaltet wird und Layering eine zentrale Rolle spielt.
Konkret bedeutet das: Die Übergänge zwischen Nacken und Seiten werden gestuft statt hart abgegrenzt. Das Deckhaar erhält oft eine leichte Textur durch Messer- oder Rasiertechnik. Das Ergebnis wirkt weniger wie ein Kostüm und mehr wie ein bewusst gesetzter Schnitt. Genau das macht ihn alltagstauglich – ein Punkt, den viele Friseure als entscheidend für die breite Akzeptanz nennen.
Wer sich vorab ein genaues Bild machen möchte, findet unter dem Begriff Mullet Frisur gut aufbereitete Informationen zu verschiedenen Varianten und deren Besonderheiten. Friseure empfehlen solche Recherchen ausdrücklich, weil Kunden damit präzisere Wünsche artikulieren können, was die Beratung deutlich verkürzt.
Welche Varianten 2026 gefragt sind
Die Bandbreite ist inzwischen beachtlich. Friseure in deutschen Städten berichten von folgenden Nachfragevarianten:
- Curly Mullet: Besonders bei Kunden mit natürlicher Wellenstruktur. Die Locken im Nacken bleiben bewusst unkontrolliert, das Oberteil wird definiert geformt.
- Korean Mullet: Beeinflusst durch K-Pop-Ästhetik. Sehr glatt, mit starkem Glanz, oft asymmetrisch und in Kombination mit Curtain Bangs getragen.
- Shaggy Mullet: Erinnert an den 1970er Rockschnitt. Viele Schichten, fransige Enden, kaum Politur. Beliebt bei 20- bis 35-Jährigen.
- Femininer Business Mullet: Schulterlanges Haar hinten, klare Kontur vorne. Wird laut mehreren Berliner Friseurinnen zunehmend von Frauen ab 40 nachgefragt.
Was alle Varianten verbindet: Sie brauchen regelmäßige Pflege. Ein Mullet, der nicht alle sechs bis acht Wochen nachgeschnitten wird, verliert seine Form schnell. Das ist ein wirtschaftlicher Faktor, den Salons durchaus registrieren.
Was Friseure in Deutschland wirklich denken
Die Meinungen im Gewerbe sind gespalten, aber sachlicher als erwartet. Ein Teil der Friseurmeister begrüßt den Trend, weil er handwerklich anspruchsvoll ist. „Ein sauber ausgeführter Mullet zeigt, ob jemand wirklich schneiden kann“, sagt Thomas Weidner, Ausbildungsmeister aus Dortmund. „Da kann man sich nicht hinter einem cleanen Undercut verstecken.“
Andere sind skeptischer. Vor allem in eher konservativen Regionen berichten Friseure, dass ihre Kundschaft den Schnitt nach wie vor ablehnt oder ihn allenfalls als Provokation wahrnimmt. Eine Friseurmeisterin aus dem bayerischen Landkreis Passau formuliert es so: „Ich habe das Schneiden gelernt, mache es auf Anfrage. Aber ich empfehle ihn nicht aktiv.“ Das spiegelt eine Haltung, die in Flächenregionen häufiger zu finden ist als in Großstädten.
Interessant ist auch die Perspektive der Berufsverbände. Der Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks hat den Mullet in seinen Trendbericht 2025 aufgenommen und ihn als „technisch relevante Rückkehr“ eingestuft. Konkret bedeutet das, dass die Schnitttechnik inzwischen in einigen Berufsschulcurricula wieder auftaucht.
Pflege und Styling im Alltag
Der häufigste Fehler beim Mullet ist mangelnde Pflege der Enden. Da das Haar hinten länger bleibt, trocknet es dort schneller aus und neigt zu Spliss. Friseure raten zu folgenden Maßnahmen:
- Feuchtigkeitsspendende Kur einmal pro Woche, besonders bei coloriertem Haar
- Hitzeschutz vor dem Föhnen, auch wenn der Look bewusst unfertig wirken soll
- Leichtes Texturspray oder Salzspray für den Shaggy-Look, kein schweres Wachs
- Regelmäßiges Nachschneiden der Enden alle sechs Wochen, unabhängig vom Gesamtschnitt
Wer farbtechnisch arbeiten möchte, kombiniert den Mullet aktuell häufig mit Face Framing Highlights oder einem subtilen Balayage im Nackenbereich. Das verstärkt den Längeneffekt optisch, ohne den Schnitt zu überladen.
Fazit: Trend mit Substanz oder doch Eintagsfliege?
Die Datenlage spricht gegen eine schnelle Auflösung des Trends. Zu viele Varianten haben sich ausdifferenziert, zu viele Altersgruppen sind inzwischen involviert, und die handwerkliche Aufwertung durch die Berufsverbände gibt dem Mullet eine Seriosität, die frühere Modewellen nicht hatten. Gleichzeitig wäre es übertrieben zu behaupten, der Schnitt werde in fünf Jahren zur Standardfrisur gehören.
Wahrscheinlicher ist, dass der moderne Mullet als eine von mehreren akzeptierten Optionen bestehen bleibt, so wie der Bob oder der Undercut. Friseure, die ihn beherrschen und gut beraten können, dürften davon langfristig profitieren. Für alle anderen gilt: Der Schnitt vergibt keine Fehler, will regelmäßig gepflegt werden, und er braucht einen Träger, der ihn mit Überzeugung trägt. Das war 1985 so, und daran hat sich nichts geändert.